Tempel der Athena Nike
Vier ionische Säulen, schwebend über dem Abgrund der Akropolis: das kleinste Tempelchen des Burgbergs – und vielleicht das anmutigste.
Kurz bevor man durch die Propyläen tritt, blickt rechter Hand ein kleiner Tempel von einer Felsbastion ins Leere. Es ist der Tempel der Athena Nike: vier schlanke ionische Säulen je Seite, pentelischer Marmor, winzig im Vergleich zu den großen Tempeln der Akropolis dort oben. Doch gerade dieses Miniaturformat mit seinen ungewöhnlich schlanken Säulenproportionen macht es zu einem der elegantesten Bauwerke der gesamten Akropolis.
Was es zu sehen gibt
Das Tempelchen war Athena Nike geweiht, der Göttin des Sieges, und sie wurde hier ohne Flügel dargestellt – daher der andere Name Nike Aptera, „Sieg ohne Flügel“: der Sage nach, damit sie die Stadt nicht mehr verlassen könne. Der Entwurf wird Kallikrates zugeschrieben, demselben Architekten wie beim Parthenon.
Ringsum läuft ein Hochrelieffries. An der Ostseite erkennt man mit Mühe eine Versammlung von Gottheiten: Athena, kenntlich am Schild, neben Zeus. Die Nord- und Südseite zeigen Schlachtszenen zwischen Griechen und Persern. Ein Teil der Marmorreliefs ist original, ein Teil sind Kopien – einige echte Fragmente sind im British Museum in London gelandet.
Gut zu wissen
Der Tempel, den man heute sieht, ist eine Rekonstruktion. 1687, während der venezianischen Belagerung der Akropolis, bauten die Osmanen das Gebäude ab, um aus den Steinen eine Verteidigungsbastion neben den Propyläen zu errichten. Die Blöcke wurden geborgen und ab 1834 auf den originalen Fundamenten wieder aufgesetzt – in einer der ersten großen Restaurierungsbaustellen des modernen Griechenland.
Mit diesem Felsen ist auch ein berühmter Mythos verbunden: Von hier aus stürzte sich der Überlieferung nach König Aigeus ins Meer, weil er seinen Sohn Theseus für tot hielt – getäuscht von den schwarzen Segeln, die irrtümlich auf dem von Kreta heimkehrenden Schiff gehisst worden waren.