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Tinos

Tinos

Nur durch eine schmale Meerenge vom benachbarten Andros getrennt, ist Tinos beinahe dessen Miniaturausgabe: ähnliche Form, ein Gebirgszug in der Mitte und eine Küste voller Strände. Die beiden Inseln teilen auch ihre Geschichte, die von Ioniern und Römern, von der venezianischen Herrschaft im Mittelalter und der osmanischen Eroberung von 1715, die bis zum Unabhängigkeitskrieg andauerte, geprägt ist. Tinos zählt über 800 Kapellen und ist berühmt für seine zahlreichen Taubenschläge (Peristerionas), vor allem aber als einer der wichtigsten Wallfahrtsorte des orthodoxen Griechenland.

Die Stadt Tinos und die Panagia Evangelistria

Der Hauptort ist von engen, im Zickzack verlaufenden Gassen geprägt, die von weißen Häusern gesäumt sind – in der typischen Atmosphäre der Kykladen. Er hat einen stets belebten Hafen sowie zahlreiche Hotels und Restaurants, die sowohl die von den Stränden angezogenen Touristen als auch die griechisch-orthodoxen Pilger empfangen.

Folgt man der Megalochari, der Hauptstraße, die vom Hafen hinaufführt, gelangt man zur Kirche Panagia Evangelistria, die der Verkündigung geweiht ist. Die parallel verlaufende Fußgängerzone ist stets voll und gesäumt von kleinen Läden, die Ikonen und Votivgaben verkaufen. Die Kirche wurde 1830 erbaut und bewahrt eine wundertätige Ikone, die 1822 während des Unabhängigkeitskrieges aufgefunden wurde: Der Überlieferung nach hatte Schwester Pelagia, Nonne des Klosters Kechrovouni, die Vision der Jungfrau Maria, die ihr den Ort wies, an dem das Bild vergraben lag. Beim Eintreten fallen die unzähligen Opfergaben auf, die die Wände bedecken, während die Ikone selbst so reich mit Gold und Juwelen geschmückt ist, dass das Gemälde kaum noch zu erkennen ist.

Die Wallfahrt geht auf eben jene Zeit zurück. Jedes Jahr am 15. August wird die Stadt zu den Festen Mariä Himmelfahrt überrannt, wenn die Ikone in feierlicher Prozession durch die Straßen getragen wird; das Ereignis wiederholt sich am 25. März zum Fest der Verkündigung und zum Tag der Unabhängigkeit.

Was es auf der Insel zu sehen gibt

Ebenfalls an der Megalochari liegt das Archäologische Museum, das Skulpturen von Nereiden und Delfinen aus dem Heiligtum des Poseidon und der Aphrodite zeigt, dazu eine Sonnenuhr aus dem 1. Jahrhundert v. Chr., ein Werk des Andronikos Kyrrestes, desselben Architekten, der den Turm der Winde in Athen entwarf. Rund vier Kilometer nordwestlich des Hauptorts, bei Kionia, befindet sich die wichtigste archäologische Stätte der Insel: die Überreste des Tempels von Poseidon und Amphitrite aus dem 4. Jahrhundert v. Chr.

Nördlich der Hauptstadt erhebt sich das im 12. Jahrhundert errichtete Kloster Kechrovouni, heute eines der größten Griechenlands: Dort kann man die Zelle besichtigen, in der Schwester Pelagia ihre Vision hatte. In Richtung des Hafens von Panormos im Nordwesten stößt man dagegen auf das Dorf Pyrgos, bekannt für seine Bildhauerschule, die in der Nähe der Steinbrüche mit grünem Marmor entstand, aus dem die feinsten Arbeiten der Kykladen hervorgegangen sind.

Die Strände

Um die Insel zu erkunden, lohnt es sich, ein Auto zu mieten oder Taxis zu nutzen, auch wenn die Orte durch ein passables Busnetz verbunden sind. Gleich außerhalb des Hauptorts liegen zwei stark frequentierte Strände: im Osten der Kieselstrand von Agios Fokas, im Westen der Sandstrand von Stavros. Weiter nördlich erstreckt sich Kolympithres zwischen zwei Sandbuchten, die beide zum Baden geeignet sind. Wer Tinos an den Tagen der großen Wallfahrten besucht, am 25. März oder am 15. August, sollte rechtzeitig im Voraus buchen: Fähren und Hotels sind dann oft von Reiseveranstaltern belegt. Deutsche Reisende erreichen Tinos in der Regel über einen Flug nach Athen und von dort per Fähre ab dem Hafen Rafina oder Piräus; auch eine Anreise über Italien mit der Fähre in die griechische Ägäis ist möglich.

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