Tilos
Die Naturschutz-Insel des Dodekanes: Wanderwege, leere Strände und verlassene Steindörfer
Auf Tilos wird die Stille nur vom Rascheln von Flügeln unterbrochen: Die ganze Insel ist ein Naturschutzgebiet, und in ihren kargen Hügeln rasten Falken, Reiher und Dutzende von Zugvogelarten. Keine Ferienanlagen, keine Warteschlangen – wer hierherkommt, sucht Wanderwege, leere Strände und Steindörfer, in denen die Zeit stehen geblieben ist. Auf den Höhen ragen weiße Kapellen und die Überreste der Burgen empor, die die Johanniterritter im 14. Jahrhundert errichteten.
Livadia und Megalo Horio
Der Hafen von Livadia, der Hauptort der Insel, wird von langen, baumbestandenen Stränden gesäumt. Schon von Weitem fällt die weiß-blaue Kirche Agios Nikolaos ins Auge, die eine vom berühmten Katasaris aus Rhodos geschnitzte Ikonostase birgt, während etwas weiter die frühchristliche Basilika der Heiligen Panteleimon und Polykarp ein auffälliges Bodenmosaik bewahrt. Von hier aus fährt ein Bus hinauf nach Megalo Horio, der „großen Stadt“, die auf dem Gelände des antiken Telos entstand, am Fuße eines Kastro mit Portal und Resten der Akropolis. Das kleine Paläontologische Museum hütet versteinerte Knochen von Zwergmastodonten, die in der Region Misaria gefunden wurden.
Strände und Geisterdörfer
Südlich von Megalo Horio erstreckt sich der Sandstrand von Erystos, der breiteste der Insel; im Westen, bei Agios Antonis, traten versteinerte Skelette zutage, die Seeleuten zugeschrieben werden, die von einem Ausbruch von Nisyros überrascht wurden. Auf einer Klippe über dem Meer thront das byzantinische Kloster Agiou Panteleimonos, 1470 erbaut, mit runder Kapelle, einem Mosaik im Innenhof und Blick über die gesamte Insel. Nicht verpassen sollte man Mikro Chorio: über 200 dachlose Steinhäuser, nach dem Zweiten Weltkrieg verlassen, als die Bewohner nach Livadia umsiedelten.
Gut zu wissen
Die Küsten sind felsig und das Landesinnere überraschend grün: Nehmen Sie Wanderschuhe mit, denn die Pfade sind der eigentliche Grund für eine Reise hierher. Unterkünfte gibt es nur wenige, daher empfiehlt sich eine frühzeitige Buchung. Gute Tavernen findet man in Livadia. Tilos liegt abseits der großen Flugverbindungen – aus Deutschland reist man am besten über Rhodos oder Kos an (Direktflüge ab mehreren deutschen Flughäfen) und nimmt von dort die Fähre weiter; auch eine Anreise über Italien ist möglich. Zur Verbindung siehe Fähren und Island-Hopping im Dodekanes.