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Vravrona

Eingebettet in eine harmonische Landschaft liegt Vravrona kurioserweise am Fuß eines Hügels und nicht auf dessen Kuppe, wo sich stattdessen eine anmutige byzantinische Kapelle erhebt, die dem heiligen Georg geweiht ist. Ort und Ausgrabungsstätte liegen in einem sumpfigen Tal, das von bestellten Feldern umgeben ist und auf eine sandige Bucht der Ägäis blickt. Das Heiligtum von Brauron bewahrt die Erinnerung an eine alte Pilgerfahrt zu Artemis Brauronia.

Die Sage der Iphigenie

Die Geschichte des Ortes ist faszinierend. Der Sage nach, die Euripides in seiner Iphigenie bei den Taurern heraufbeschwört, floh die Tochter Agamemnons nach Tauris, der heutigen Krim, um sich der drohenden Opferung durch ihren Vater zu entziehen. Später kehrte sie mit dem heiligen Kultbild der Artemis nach Brauron zurück und legte dort den Grundstein für das Heiligtum. Im Mittelpunkt der Sage steht eben jener geheimnisvolle Tempel der Artemis, von dem heute nur noch die Fundamente erhalten sind.

Artemis, Tochter des Zeus und Zwillingsschwester des Apollon, entspricht der römischen Göttin Diana. Sie wurde hier in Vravrona verehrt, wo alle vier Jahre die Brauronien stattfanden – große Feste mit geheimnisvollen Riten, bei denen sich junge Mädchen als Bärinnen verkleideten und tanzten. Wie bei vielen antiken Kulten, etwa dem von Eleusis, wissen wir nicht genau, was dort geschah oder warum. Im Heiligtum amtierten junge Priesterinnen, die arktoi, gekleidet in safrangelbe Gewänder und der Göttin schon im Alter von sieben Jahren geweiht.

Das Heiligtum von Brauron

Im 4. Jahrhundert v. Chr. wurde die Gegend überflutet und die örtlichen Gemeinden verschwanden. Der Ort wurde später wieder aufgebaut, doch die Ausgrabungen der antiken Stätte begannen erst 1946 und dauerten bis 1963; dabei kam ein Tempel aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. ans Licht. Hat man die Ruinen einer frühchristlichen Basilika aus dem 6. Jahrhundert n. Chr. hinter sich gelassen, gelangt man zur heiligen Quelle, die einen Wasserlauf speiste, der von einer Brücke aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. überspannt wurde – von ihr ist nur noch das Pflaster erhalten. Rechts, unterhalb der Kapelle des heiligen Georg (15. Jh.), sind die Überreste des Artemis-Tempels zu sehen, hinter dem das sogenannte „Grab der Iphigenie“ liegt.

Neben dem Tempel erhebt sich eine Stoa, vielleicht aus noch früherer Zeit: Einige Inschriften bezeichnen sie als das „Partheneion der Bärinnen“. In der Nähe finden sich die Überreste eines der ältesten Steinbauten, die man auf der Welt sehen kann, sowie ein Museum, das geometrische Vasen und ein votives Flachrelief mit dem thronenden Zeus, Leto, Apollon und Artemis zeigt.

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