Folegandros
Weiße Häuser, die sich an eine steil ins Meer abfallende Felswand klammern: jene Kykladen, die viele suchen und kaum jemand findet.
In Folegandros blickt die Chora ins Leere: eine Reihe weißer Häuser zieht sich entlang des Rands einer Felswand, die über zweihundert Meter senkrecht ins Meer abstürzt. Es ist eine der kleinsten und am wenigsten gezähmten Inseln der Kykladen — keine großen Resorts, kein ausschweifendes Nachtleben, nur Stein, Wind und terrassierte Felder, die zu den kleinen Kapellen hinaufsteigen. Wer die Ägäis von einst sucht, findet sie hier noch.
Die Chora und das Kastro
Für den Verkehr gesperrt und um vier hintereinanderliegende Plätzchen angeordnet, ist die Chora das Herz der Insel: Tische unter Pergolen, Bougainvillea an kalkweißen Mauern, Katzen in der Sonne. Der älteste Kern ist das Kastro, die befestigte Zitadelle, die im 13. Jahrhundert vom Herzog von Naxos, Marco Sanudo, errichtet wurde: die aneinandergedrängten Steinhäuser am Rand der Klippe bildeten selbst die Schutzmauern gegen die Piraten. Heute reihen sich in den Gassen Tavernen und kleine Läden aneinander.
Vom Platz aus führt ein Serpentinenpfad hinauf zur Kirche Panagia (Koimisis tis Theotokou), weiß und einsam auf dem Gipfel des Hügels, erbaut auf den Resten eines der Artemis geweihten Tempels. Es ist der Aufstieg, den jeder Besucher mindestens einmal macht, meist zum Sonnenuntergang, wegen des Panoramas über die ganze Insel.
Die Strände und die Goldene Grotte
Die schönsten Strände liegen an der Westseite und sind zu Fuß oder per Boot erreichbar: Agali, der beliebteste, eine Kiesbucht mit ein paar Tavernen am Meer, und das abgeschiedene Latinaki, etwas weiter entlang des Pfades. Vom Hafen Karavostasi gelangt man dagegen nach Livadi, bequem und nah.
Die natürliche Attraktion der Insel ist die Chrysospiliá, die Goldene Grotte: eine Höhle im Fels über dem Meer, geschmückt mit Stalaktiten und reich an antiken Inschriften, vom Wasser aus zu besichtigen, wenn die Bedingungen es zulassen.
Gut zu wissen
Man legt in Karavostasi an der Ostküste an, von wo aus ein örtlicher Bus den Hafen mit der Chora und mit Livadi verbindet. Folegandros erreicht man per Fähre von Piräus aus und im Sommer über die Schnellverbindungen zwischen den Inseln — wer aus Deutschland anreist, fliegt meist nach Athen (oder über Italien) und nimmt von dort die Fähre. Es lohnt sich, die Überfahrten beim Island-Hopping frühzeitig zu planen, denn außerhalb der Saison werden die Verbindungen seltener. Die ideale Reisezeit reicht von Mai bis Anfang Oktober.