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Chios

Die Insel des Mastix: genuesisches Kàstro, byzantinische Mosaike und gemächliches Tempo

Hier wächst ein Baum, den es sonst fast nirgends auf der Welt gibt: der Mastixstrauch, dessen duftendes Harz – der Mastix – Chios über Jahrhunderte reich gemacht hat. Es ist eine große Insel, im Norden unterhalb des Berges Pelineon grün, noch fernab der Massenrouten, wo das griechische Leben ungefiltert fließt und die Gastfreundschaft echt ist.

Die Stadt Chios

Der Hauptort blickt direkt auf die türkische Küste hinüber: eine Lage, die mehr aus strategischen Gründen als wegen des Hafens gewählt wurde – so sehr, dass die Eroberer lange Wellenbrecher errichten mussten. Herz der Stadt ist das Kàstro, die von den Byzantinern errichtete und von den Genuesen nach 1346 ausgebaute Festung, in deren Innerem eine Moschee, ein türkischer Friedhof und die Reste eines antiken Badehauses liegen.

Es lohnt sich, sich im Basar am oberen Ende der Roidou-Straße zu verlieren und vor dem osmanischen Brunnen von 1768 an der Kreuzung von Martyron und Dimarchias innezuhalten. Um die Insel zu verstehen, eignen sich zwei Museen: das Byzantinische Museum mit archäologischen Funden und das Philip-Argenti-Museum, das der Volkskunde und dem Kunsthandwerk gewidmet ist.

Das Kloster Nea Moni

Fünfzehn Kilometer von der Stadt entfernt windet sich eine Panoramastraße durch die Wälder hinauf zu einem verborgenen Tal, in dem Nea Moni auftaucht, eines der großen kaiserlichen byzantinischen Bauwerke. Kaiser Konstantin IX. Monomachos gründete es 1042 an jener Stelle, an der drei Eremiten eine Ikone der Gottesmutter gefunden hatten.

Seine Mosaike zählen zu den feinsten in ganz Griechenland. Die achteckig angelegte Kirche bleibt der vollendetste architektonische Ausdruck dieser Epoche im Land: drei große Kuppeln, Fresken und ein Marmorboden, der die Brotvermehrung darstellt. Das Erdbeben von 1881 hat seine Spuren hinterlassen, doch die einstige Pracht lässt sich noch erahnen.

Gut zu wissen

Chios ist eine Insel für neugierige Reisende, weniger für einen klassischen Badeurlaub: Man kommt wegen der Mastixdörfer, der Klöster, der Natur und des langsamen Rhythmus. Sie gehört zu den östlichen Inseln der Ägäis, und man erreicht sie per Fähre vom Festland oder beim Inselhüpfen von den Nachbarinseln aus. Wer aus Deutschland anreist, fliegt in der Regel über Athen und nimmt von dort die Inlandsverbindung; in der Saison gibt es zudem einzelne Direktflüge auf die Insel.

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